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Norbert Nagel

Über Musik

Das Klangerlebnis in einem Orchester zu spielen ist unvergleichlich. Gleichzeitig ist es ein Gefühl höchster Freude herauszufinden, was genau ein Komponist mit seiner Musik gemeint hat und dem Fundament der musikalischen Interpretation auf die Spur zu kommen.

Leider ist das Gemeinschaftserlebnis Musik zu oft in zwei Lager geteilt: in das der Musiker und das der Zuhörer. Diese Barriere lässt die Bühne zu einem geschlossenen Raum werden. Ängste entstehen auf beiden Seiten, diese Mauer zu unterbrechen. Die Musik der großen Meister läuft Gefahr zugeschnürt und verkopft gespielt zu werden. Die Zuschauer könnten den Konzertabend als ein fertiges Produkt wahrnehmen.

Diese Entwicklung ist bei der Menge an Konkurrenz, welche dem bloßen akustischen Spiel von Musik gegenübersteht, nur verständlich. Jedoch glaube ich, dass im entgegen gesetzten Sinne gerade in der Rückkehr zur volksmusikalischen Darbietung eine ausgleichende, besondere Spielform zu finden ist:

Das Klangerlebnis in direktem Kontakt mit den Zuhörern aus der Zeit des Bänkelgesanges und der Postkutschen, in der die melodischen Bausteine von orchestralen Partituren oder volkstümlichen Weisen im kleinen Ensemble mit dem Publikum improvisatorisch und spielerisch neu erfunden werden und im Mittelpunkt nicht das Konzertieren, sondern das Musizieren steht.